Wasser auf der Zunge!

„Alles fließt: … auch Wasser auf der Zunge“

… so betitelte Natias Neutert seinen Gastvortrag anlässlich der Eröffnung der Sonderausstellung „Wasserwelten. Badekultur und Technik“. Und damit nahm der Philosoph und Künstler die Zuhörer mit auf eine abwechslungsreiche Reise in die Welt großer Dichter und Denker. Nicht zuletzt dichtete er selbst einen Sechszeiler auf dieses kostbare Element.

„Eine Ausstellung, die so viele kulturelle Errungenschaften aus mehr als drei Jahrtausenden umfasst, sollte auch mit einem lebhaften und sehr menschlichen Bezug zum Wasser eröffnet werden. Herr Neutert ist dabei so authentisch, diese Veranstaltung bleibt unseren Gästen lange in Erinnerung“ schwärmt Prof. Fansa über seine Referenten.
Ohne Zweifel darf es besonders bei dem Thema der Badekultur von der römischen Antike bis in die Zeit des Barock auch poetisch zugehen. Denn während z. B. feingeschliffene Öl- und Parfumflakons aus dem 2. Jahrhundert n. Chr. die Gegenstandskultur des Badewesens zeigen, belegen große Gemälde-Bildflächen die Sinnlichkeit von Massage und Wellness. So möchte die Sonderausstellung allein schon mit der Gestaltung die Vermittlung der Inhalte unterstreichen:
Auf dem Galerieumgang, wo der Besucher sich den technischen Entwicklungen bei der Wasserver- und -entsorgung widmen kann, dominiert eine Art Tunnel die Raumarchitektur. In dem großen Saal eine Etage tiefer ist es eine offene Präsentation, in deren Zentrum sich ein Wasserbecken als Ruhezone befindet. Hier wird man eingeladen, Platz zu nehmen, Zitaten aus aller Welt und Zeiten zu lauschen und sich durch das animierte Bild ansprechen zu lassen – auf die Wasseroberfläche werden Bilder aus verschiedensten Lebens- und Kunstbereichen projiziert.

Natürlich geht es in dieser Ausstellung neben dem Erleben des Elementes Wasser auch um das Erlernen von kulturellem Fortschritt und seiner Verbreitung. Uhren oder Zeitmessungsgeräte sind dafür ein außerordentlich „wasserbezogenes“ Beispiel: Zu den ältesten Uhren zählen die Wasseruhren; bekannt aus dem ägyptischen Raum, aus dem 3. Jahrtausend sind es vor allem die griechischen und römischen Exemplare, deren Funktion sich heute exakt rekonstruieren lässt. Was zunächst wie ein schön verzierter Topf wirken kann, stellt sich bei genauerer Analyse als präzises Messinstrument heraus, wie eine ausgestellte Wassereinlaufuhr aus dem arabischen Raum beweist.
Die Bandbreite der Zeitmesser reicht bis hin zu hoch komplizierten mechanischen Stücken, die nicht selten mehr als die Zeit angeben; sie beziehen den Kreislauf der Gestirne, den Ablauf der Sternkreiszeichen und vieles mehr mit ein. Durch Wasser betrieben, geben sie Einblicke in den Ideenreichtum der mittelalterlichen Kulturen des Orients.

Viele weitere Aspekte der Verwendung und Nutzung des Rohstoffes Wasser gibt es in den „Wasserwelten“ zu entdecken. Noch bis zum 17. Oktober 2010 lädt das Landesmuseum Natur und Mensch zum Besuch dieser internationalen Ausstellung ein!
Blick in die Ausstellung “Wasserwelten. Badekultur und Technik”.

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